Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens.
Nur wenige Käufer können ein Haus oder eine Wohnung vollständig aus eigenen Mitteln bezahlen. In den meisten Fällen wird deshalb ein Immobilienkredit benötigt.
Doch wie funktioniert eine Immobilienfinanzierung eigentlich?
Wie viel Eigenkapital ist sinnvoll? Welche Rolle spielen Zinsen und Tilgung? Wie hoch darf die monatliche Rate sein? Und wie viel Immobilie kann man sich überhaupt leisten?
Diese Fragen sollten möglichst vor der Immobiliensuche geklärt werden.
Denn ein attraktives Haus oder eine schöne Wohnung bringt wenig, wenn die Finanzierung langfristig nicht zum eigenen Budget passt.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie eine Immobilienfinanzierung funktioniert, welche Kosten beim Kauf entstehen, wie Sie Ihre maximale Kaufpreisspanne bestimmen und worauf Sie bei Zinsen, Tilgung und Eigenkapital achten sollten.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung.
Was ist eine Immobilienfinanzierung?
Unter einer Immobilienfinanzierung versteht man die Finanzierung des Kaufs oder Baus einer Immobilie.
In vielen Fällen setzt sich die Finanzierung aus mehreren Bestandteilen zusammen:
- Eigenkapital
- Immobilienkredit
- Kaufnebenkosten
- gegebenenfalls Fördermitteln
Der Immobilienkredit wird in der Regel über viele Jahre zurückgezahlt.
Dabei entstehen für den Kreditnehmer zwei wesentliche Kosten:
Zinsen und Tilgung.
Die Zinsen sind die Kosten für das geliehene Geld.
Die Tilgung reduziert dagegen die verbleibende Kreditschuld.
Wie funktioniert eine Immobilienfinanzierung?
Vereinfacht funktioniert eine Immobilienfinanzierung so:
- Sie bestimmen Ihr verfügbares Eigenkapital.
- Sie ermitteln den maximal finanzierbaren Kaufpreis.
- Sie berücksichtigen die Kaufnebenkosten.
- Sie vergleichen verschiedene Kreditangebote.
- Sie wählen Zinssatz und Tilgung.
- Die Bank stellt den Kredit bereit.
- Sie zahlen den Kredit über die vereinbarte Laufzeit zurück.
Dabei sollte die Finanzierung nicht ausschließlich danach beurteilt werden, ob eine Bank einen bestimmten Kredit genehmigt.
Viel wichtiger ist die Frage:
Ist die Finanzierung auch langfristig für Sie tragbar?
Wie viel Eigenkapital braucht man für eine Immobilie?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht.
Grundsätzlich gilt jedoch:
Je mehr Eigenkapital vorhanden ist, desto geringer ist der notwendige Kredit.
Das kann die Finanzierung erleichtern.
Eigenkapital kann beispielsweise aus folgenden Quellen stammen:
- Bankguthaben
- Tagesgeld
- Festgeld
- Bausparguthaben
- Wertpapieren
- bereits vorhandenem Immobilienvermögen
Bei einer Finanzierung sollte allerdings nicht das gesamte verfügbare Vermögen eingesetzt werden.
Ein finanzieller Puffer für unerwartete Ausgaben kann sinnvoll sein.
Warum Eigenkapital wichtig ist
Nehmen wir zwei Käufer.
Käufer A
Eigenkapital: 50.000 Euro
Käufer B
Eigenkapital: 150.000 Euro
Beide möchten eine Immobilie für 400.000 Euro kaufen.
Käufer A muss einen deutlich höheren Kredit aufnehmen als Käufer B.
Dadurch können sich Unterschiede bei:
- monatlicher Rate
- Zinskosten
- Beleihung
- Finanzierungsspielraum
ergeben.
Mehr Eigenkapital kann deshalb die Finanzierung stabiler machen.
Kaufnebenkosten nicht vergessen
Ein häufiger Fehler bei der Immobilienfinanzierung ist, nur den Kaufpreis zu betrachten.
Beim Immobilienkauf entstehen zusätzlich verschiedene Nebenkosten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Grunderwerbsteuer
- Notarkosten
- Grundbuchkosten
- Maklerkosten
- gegebenenfalls weitere Gebühren
Je nach Situation können diese Kosten einen erheblichen Betrag ausmachen.
Ein Kaufpreis von beispielsweise 400.000 Euro bedeutet daher nicht automatisch, dass auch nur 400.000 Euro finanziert werden müssen.
Beispiel für Kaufnebenkosten
Angenommen, eine Immobilie kostet:
400.000 Euro
Zusätzlich entstehen beispielsweise:
40.000 Euro Kaufnebenkosten
Dann beträgt der gesamte Kapitalbedarf:
440.000 Euro
Wer 100.000 Euro Eigenkapital besitzt, muss in diesem vereinfachten Beispiel möglicherweise rund:
340.000 Euro
finanzieren.
Die genaue Finanzierung hängt natürlich von der individuellen Situation und den tatsächlichen Nebenkosten ab.
Was ist die monatliche Kreditrate?
Die monatliche Kreditrate setzt sich bei einem klassischen Annuitätendarlehen hauptsächlich aus:
- Zinsen
- Tilgung
zusammen.
Beispiel:
Kredit:
300.000 Euro
Sollzins:
3,5 %
Anfangstilgung:
2,0 %
Die anfängliche jährliche Belastung beträgt vereinfacht:
3,5 % + 2,0 % = 5,5 %
5,5 % von 300.000 Euro entsprechen:
16.500 Euro pro Jahr
Geteilt durch zwölf Monate ergibt das:
1.375 Euro pro Monat
Dabei handelt es sich um eine vereinfachte Beispielrechnung.
Die tatsächliche Entwicklung der Rate und Restschuld hängt vom konkreten Darlehensvertrag ab.
Zinsen und Tilgung einfach erklärt
Die beiden Begriffe sind für jede Immobilienfinanzierung besonders wichtig.
Zinsen
Die Zinsen sind die Kosten für das geliehene Kapital.
Je höher der Zinssatz und je höher die Restschuld, desto höher ist grundsätzlich die Zinsbelastung.
Tilgung
Mit der Tilgung wird der Kredit zurückgezahlt.
Eine höhere Tilgung reduziert die Restschuld schneller.
Dadurch können langfristig Zinskosten gespart werden.
Was bedeutet Annuitätendarlehen?
Das Annuitätendarlehen ist eine typische Form der Immobilienfinanzierung.
Dabei bleibt die monatliche Rate während der vereinbarten Zinsbindung grundsätzlich gleich.
Innerhalb dieser Rate verändert sich jedoch das Verhältnis zwischen Zinsen und Tilgung.
Am Anfang entfällt ein größerer Anteil auf die Zinsen.
Mit sinkender Restschuld nimmt der Zinsanteil ab.
Gleichzeitig steigt der Tilgungsanteil.
Warum die Tilgung so wichtig ist
Eine niedrige Tilgung kann die monatliche Rate reduzieren.
Dafür bleibt die Restschuld länger hoch.
Eine höhere Tilgung führt zu einer höheren monatlichen Belastung.
Dafür sinkt die Restschuld schneller.
Beispiel:
Ein Kredit über 300.000 Euro wird mit einer höheren Anfangstilgung zurückgezahlt.
Dadurch kann der Kredit schneller reduziert werden.
Das kann langfristig zu geringeren Zinskosten führen.
Welche Tilgung ist sinnvoll?
Eine allgemeingültige optimale Tilgung gibt es nicht.
Sie hängt unter anderem ab von:
- Einkommen
- Eigenkapital
- Kreditsumme
- Zinssatz
- Alter
- finanziellen Reserven
- gewünschter Laufzeit
Wichtig ist, dass die Rate dauerhaft tragbar bleibt.
Eine sehr hohe Tilgung bringt wenig, wenn dadurch kaum noch finanzieller Spielraum für unerwartete Ausgaben vorhanden ist.
Wie hoch sollte die monatliche Rate sein?
Die monatliche Kreditrate sollte zum eigenen Einkommen und zu den laufenden Ausgaben passen.
Dabei sollte nicht nur das aktuelle Einkommen betrachtet werden.
Auch zukünftige Veränderungen können relevant sein.
Beispielsweise:
- Familienplanung
- berufliche Veränderungen
- Elternzeit
- mögliche Einkommensschwankungen
- steigende Lebenshaltungskosten
Eine Finanzierung sollte daher nicht auf Kante kalkuliert werden.
Haushaltsrechnung vor dem Immobilienkauf
Eine einfache Haushaltsrechnung kann helfen.
Ermitteln Sie zunächst:
monatliches Nettoeinkommen
und ziehen Sie anschließend die regelmäßigen Ausgaben ab.
Dazu gehören beispielsweise:
- Miete
- Lebensmittel
- Versicherungen
- Mobilität
- Strom
- Internet
- Freizeit
- bestehende Kredite
- Rücklagen
Der verbleibende Betrag zeigt, wie viel finanzieller Spielraum grundsätzlich vorhanden ist.
Dabei sollte zusätzlich eine Reserve eingeplant werden.
Wie viel Immobilie kann ich mir leisten?
Diese Frage sollte möglichst vor der Immobiliensuche beantwortet werden.
Eine einfache Rechnung ist:
Eigenkapital + maximal tragbarer Kredit = ungefährer Finanzierungsrahmen
Dabei dürfen die Kaufnebenkosten nicht vergessen werden.
Beispiel:
Eigenkapital:
100.000 Euro
Maximal tragbarer Kredit:
300.000 Euro
Finanzierungsrahmen:
400.000 Euro
Wenn zusätzlich 40.000 Euro Kaufnebenkosten anfallen, sollte der maximale Kaufpreis entsprechend niedriger angesetzt werden.
Warum der maximale Kredit nicht automatisch der richtige Kredit ist
Nur weil eine Bank einen bestimmten Kreditbetrag finanzieren würde, bedeutet das nicht, dass Sie diesen Betrag auch aufnehmen sollten.
Eine maximale Finanzierung kann zu einer hohen monatlichen Belastung führen.
Ein finanzieller Puffer kann wichtiger sein als der maximal mögliche Kaufpreis.
Deshalb sollte die persönliche Schmerzgrenze unter Umständen deutlich unter dem maximalen Kreditrahmen liegen.
Zinsbindung: Was bedeutet das?
Bei einer Immobilienfinanzierung wird häufig eine Zinsbindung vereinbart.
Während dieser Zeit bleibt der vereinbarte Zinssatz grundsätzlich fest.
Typische Zeiträume können beispielsweise sein:
- 5 Jahre
- 10 Jahre
- 15 Jahre
- 20 Jahre
Je länger die Zinsbindung, desto länger besteht Planungssicherheit.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation und den jeweiligen Kreditkonditionen ab.
Was passiert nach der Zinsbindung?
Nach Ablauf der Zinsbindung kann noch eine Restschuld bestehen.
Diese muss weiter finanziert werden.
Dann wird häufig eine Anschlussfinanzierung benötigt.
Das bedeutet:
Der Kredit ist nach Ablauf der Zinsbindung nicht automatisch vollständig zurückgezahlt.
Deshalb sollte bereits bei der ursprünglichen Finanzierung auf die voraussichtliche Restschuld geachtet werden.
Das Zinsänderungsrisiko
Eine hohe Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung kann ein Risiko darstellen.
Angenommen, die Zinsen sind während der ersten Finanzierungsphase niedrig.
Nach zehn Jahren sind die Marktzinsen jedoch deutlich höher.
Dann kann die Anschlussfinanzierung teurer werden.
Eine höhere Tilgung kann dazu beitragen, die Restschuld bis dahin stärker zu reduzieren.
Sondertilgung
Viele Kreditverträge bieten die Möglichkeit von Sondertilgungen.
Dabei kann zusätzlich zur normalen Rate ein bestimmter Betrag zurückgezahlt werden.
Beispiel:
Die reguläre Tilgung läuft weiter.
Zusätzlich zahlt der Kreditnehmer einmal im Jahr:
5.000 Euro
auf den Kredit zurück.
Dadurch sinkt die Restschuld schneller.
Ob und in welcher Höhe Sondertilgungen möglich sind, hängt vom Kreditvertrag ab.
Immobilienfinanzierung mit wenig Eigenkapital
Eine Finanzierung mit wenig Eigenkapital kann grundsätzlich möglich sein.
Sie kann allerdings mit höheren Anforderungen und Risiken verbunden sein.
Ein höherer Kreditanteil bedeutet beispielsweise:
- höhere Kreditsumme
- höhere monatliche Belastung
- höhere Zinskosten
- weniger finanzieller Puffer
Deshalb sollte eine Finanzierung mit wenig Eigenkapital besonders sorgfältig kalkuliert werden.
Vollfinanzierung und 100-Prozent-Finanzierung
Bei einer Vollfinanzierung wird ein sehr großer Teil des Kaufpreises beziehungsweise des Kapitalbedarfs über Fremdkapital finanziert.
Bei einer sogenannten 100-Prozent-Finanzierung kann der Kaufpreis vollständig finanziert werden.
Werden zusätzlich die Kaufnebenkosten finanziert, spricht man häufig von einer Finanzierung über den gesamten Kapitalbedarf.
Solche Finanzierungen können deutlich höhere Anforderungen an Einkommen, Bonität und Objektqualität stellen.
Welche Rolle spielt die Bonität?
Die Bank prüft vor einer Immobilienfinanzierung unter anderem die finanzielle Situation des Kreditnehmers.
Dabei können beispielsweise relevant sein:
- Einkommen
- bestehende Kredite
- Ausgaben
- Eigenkapital
- Beschäftigungssituation
- Zahlungsfähigkeit
- Kreditwürdigkeit
Auch die Immobilie selbst spielt eine Rolle.
Die Bank möchte einschätzen können, welchen Wert die Immobilie als Sicherheit besitzt.
Warum bewertet die Bank die Immobilie?
Die Immobilie dient bei einem klassischen Immobilienkredit häufig als Sicherheit.
Deshalb interessiert sich die Bank nicht nur für den Kaufpreis.
Sie möchte auch einschätzen, welchen Wert die Immobilie besitzt.
Wenn der Kaufpreis deutlich über dem von der Bank angenommenen Wert liegt, kann das die Finanzierung beeinflussen.
Unter Umständen ist dann mehr Eigenkapital erforderlich.
Immobilienfinanzierung und Beleihung
Die Beleihung beschreibt vereinfacht das Verhältnis zwischen Kredit und dem Wert der Immobilie.
Je höher der Kredit im Verhältnis zum Immobilienwert ist, desto höher kann das Finanzierungsrisiko für die Bank sein.
Ein hoher Eigenkapitalanteil kann deshalb die Finanzierung positiv beeinflussen.
Wie hoch sind die Gesamtkosten einer Immobilienfinanzierung?
Bei einem Immobilienkredit sollte nicht nur die monatliche Rate betrachtet werden.
Relevant sind unter anderem:
- Zinsen
- Tilgung
- Kaufnebenkosten
- Bereitstellungszinsen
- mögliche Gebühren
- Kosten der Anschlussfinanzierung
Außerdem entstehen bei einer Immobilie laufende Kosten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Instandhaltung
- Versicherungen
- Grundsteuer
- Hausgeld bei Eigentumswohnungen
- Verwaltung
Instandhaltungskosten einplanen
Eine Immobilie verursacht regelmäßig Kosten.
Bei einem Haus können beispielsweise irgendwann anfallen:
- Dachsanierung
- Heizungswechsel
- Fenster
- Fassade
- Leitungen
Auch bei einer Eigentumswohnung können größere Ausgaben entstehen.
Deshalb sollten Eigentümer Rücklagen bilden.
Eine Finanzierung, bei der jeder Euro für die Kreditrate verwendet wird, kann problematisch werden, wenn plötzlich eine größere Reparatur notwendig ist.
Immobilienfinanzierung bei Kapitalanlagen
Bei einer vermieteten Immobilie kommt eine weitere Einnahmequelle hinzu:
die Miete.
Für Kapitalanleger ist deshalb nicht nur die Kreditrate wichtig.
Auch die erwartbaren Einnahmen müssen berücksichtigt werden.
Beispiel:
Kaltmiete:
1.200 Euro pro Monat
Jahreskaltmiete:
14.400 Euro
Diesen Einnahmen stehen beispielsweise gegenüber:
- Finanzierung
- Instandhaltung
- Verwaltung
- Leerstand
- nicht umlagefähige Kosten
Erst nach einer vollständigen Betrachtung lässt sich beurteilen, ob die Immobilie einen positiven Cashflow erzielen kann.
Bruttomietrendite berechnen
Eine einfache Kennzahl ist die Bruttomietrendite.
Die Formel lautet:
Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100
Beispiel:
Kaufpreis:
300.000 Euro
Jahreskaltmiete:
15.000 Euro
Berechnung:
15.000 ÷ 300.000 × 100 = 5 %
Die Bruttomietrendite beträgt somit 5 Prozent.
Dabei werden allerdings zahlreiche Kosten noch nicht berücksichtigt.
Cashflow bei einer Immobilienfinanzierung
Der Cashflow zeigt vereinfacht, wie viel nach Einnahmen und Ausgaben übrig bleibt.
Bei einer vermieteten Immobilie können beispielsweise berücksichtigt werden:
Mieteinnahmen
minus
Finanzierungskosten
minus
laufende Kosten
minus
Rücklagen
=
Cashflow
Ein positiver Cashflow bedeutet nicht automatisch, dass die Immobilie eine gute Investition ist.
Auch Faktoren wie Wertentwicklung, Steuern und persönlicher Kapitaleinsatz können relevant sein.
Kaufpreis, Finanzierung und Rendite gemeinsam betrachten
Für Kapitalanleger sollte die Immobilienfinanzierung immer zusammen mit dem Kaufpreis und der Rendite betrachtet werden.
Beispiel:
Immobilie A
Kaufpreis: 300.000 Euro
Jahreskaltmiete: 15.000 Euro
Immobilie B
Kaufpreis: 350.000 Euro
Jahreskaltmiete: 21.000 Euro
Obwohl Immobilie B teurer ist, erzielt sie in diesem vereinfachten Beispiel eine höhere Bruttomietrendite.
Der Kaufpreis allein sagt daher wenig über die Qualität einer Kapitalanlage aus.
Immobilienfinanzierung und Kaufnebenkosten
Gerade bei Kapitalanlagen sollten die Kaufnebenkosten berücksichtigt werden.
Wenn eine Immobilie 300.000 Euro kostet und zusätzlich beispielsweise 30.000 Euro Nebenkosten entstehen, beträgt der gesamte Kapitalbedarf:
330.000 Euro
Die Rendite auf das tatsächlich eingesetzte Kapital kann dadurch niedriger ausfallen als die einfache Bruttomietrendite auf den Kaufpreis.
Wie vergleicht man verschiedene Finanzierungsangebote?
Bei einem Vergleich sollte nicht nur auf den Sollzins geschaut werden.
Interessant sind beispielsweise:
- effektiver Jahreszins
- Sollzinsbindung
- Tilgung
- monatliche Rate
- Restschuld
- Sondertilgungsmöglichkeiten
- mögliche Gebühren
- Flexibilität
Ein Angebot mit einem etwas niedrigeren Zinssatz muss nicht automatisch insgesamt besser sein.
Die gesamten Vertragsbedingungen sollten verglichen werden.
Sollzins und effektiver Jahreszins
Der Sollzins beschreibt den vereinbarten Zinssatz für das Darlehen.
Der effektive Jahreszins soll zusätzliche preisbestimmende Faktoren stärker berücksichtigen und eignet sich deshalb besser für den Vergleich verschiedener Kreditangebote.
Bei einem Kreditvergleich sollte daher nicht ausschließlich auf einen einzelnen Zinssatz geschaut werden.
Forward-Darlehen
Ein Forward-Darlehen kann eine Möglichkeit sein, sich unter bestimmten Voraussetzungen frühzeitig Konditionen für eine spätere Anschlussfinanzierung zu sichern.
Das kann beispielsweise interessant sein, wenn die aktuelle Zinsbindung in einigen Jahren endet.
Ob ein Forward-Darlehen sinnvoll ist, hängt unter anderem von den erwarteten Zinsen und den konkreten Konditionen ab.
Förderungen bei der Immobilienfinanzierung
Je nach persönlicher Situation und Vorhaben können Förderprogramme interessant sein.
Mögliche Bereiche sind beispielsweise:
- energieeffizientes Bauen
- energetische Sanierung
- Wohneigentum
- bestimmte Neubauvorhaben
Da sich Förderbedingungen ändern können, sollten aktuelle Programme immer vor der Finanzierung geprüft werden.
Immobilienfinanzierung für eine Eigentumswohnung
Bei einer Eigentumswohnung sollten zusätzlich zum Kredit weitere Kosten betrachtet werden.
Dazu gehört insbesondere das Hausgeld.
Das Hausgeld kann unter anderem Kosten für:
- Verwaltung
- Versicherungen
- Gemeinschaftsstrom
- Reinigung
- Instandhaltungsrücklage
enthalten.
Ein Teil des Hausgeldes ist dabei nicht auf einen Mieter umlagefähig.
Bei einer Kapitalanlage sollte dieser Anteil in die Kalkulation einfließen.
Immobilienfinanzierung für ein Haus
Bei einem Haus trägt der Eigentümer viele Kosten selbst.
Dazu gehören beispielsweise:
- Heizung
- Dach
- Fassade
- Garten
- Versicherungen
- Instandhaltung
Deshalb sollte neben der monatlichen Kreditrate zusätzlich eine angemessene Rücklage eingeplant werden.
Was passiert bei steigenden Lebenshaltungskosten?
Eine Finanzierung sollte nicht nur mit den heutigen Ausgaben funktionieren.
Lebenshaltungskosten können steigen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Energie
- Lebensmittel
- Versicherungen
- Mobilität
- Kinderbetreuung
Wer bereits heute einen sehr großen Teil seines Einkommens für die Finanzierung einplant, kann bei steigenden Kosten schnell weniger finanziellen Spielraum haben.
Was passiert bei einem Einkommensrückgang?
Auch mögliche Veränderungen des Einkommens sollten berücksichtigt werden.
Beispielsweise:
- Jobwechsel
- Arbeitslosigkeit
- Elternzeit
- Teilzeit
- Selbstständigkeit
Eine solide Finanzierung sollte deshalb einen gewissen finanziellen Puffer ermöglichen.
Immobilienfinanzierung: Beispielrechnung
Nehmen wir folgende Situation:
Kaufpreis: 350.000 Euro
Kaufnebenkosten: 35.000 Euro
Gesamtkosten: 385.000 Euro
Eigenkapital: 100.000 Euro
Vereinfachter Finanzierungsbedarf:
285.000 Euro
Angenommen, der Kredit wird mit:
3,5 % Zinsen
und
2,5 % Anfangstilgung
finanziert.
Die anfängliche jährliche Belastung beträgt:
6 % von 285.000 Euro = 17.100 Euro
Das entspricht ungefähr:
1.425 Euro pro Monat
Diese Beispielrechnung berücksichtigt nicht alle möglichen Kosten und stellt keine konkrete Finanzierungsberatung dar.
Was sollte man vor dem Immobilienkauf berechnen?
Vor dem Kauf sollten mindestens folgende Werte bekannt sein:
1. Kaufpreis
Wie viel kostet die Immobilie?
2. Kaufnebenkosten
Wie hoch sind Steuern, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklerkosten?
3. Eigenkapital
Wie viel Kapital steht tatsächlich zur Verfügung?
4. Kreditsumme
Wie viel muss finanziert werden?
5. Zinssatz
Welche Zinsen fallen an?
6. Tilgung
Wie schnell wird der Kredit zurückgezahlt?
7. Monatsrate
Wie hoch ist die regelmäßige Belastung?
8. Restschuld
Wie viel Kredit bleibt nach Ablauf der Zinsbindung übrig?
9. Rücklagen
Wie viel Geld bleibt für unerwartete Ausgaben?
Die häufigsten Fehler bei der Immobilienfinanzierung
Fehler 1: Nur den Kaufpreis betrachten
Kaufnebenkosten können einen erheblichen zusätzlichen Kapitalbedarf verursachen.
Fehler 2: Das gesamte Eigenkapital einsetzen
Ein finanzieller Notgroschen sollte nicht leichtfertig aufgebraucht werden.
Fehler 3: Die maximale Kreditrate wählen
Nur weil eine Finanzierung möglich ist, muss sie nicht sinnvoll sein.
Fehler 4: Zu niedrige Tilgung wählen
Eine niedrige Tilgung kann zu einer hohen Restschuld führen.
Fehler 5: Anschlussfinanzierung vergessen
Nach Ablauf der Zinsbindung kann eine Restschuld bestehen.
Fehler 6: Instandhaltung unterschätzen
Immobilien verursachen laufende Kosten und Reparaturen.
Fehler 7: Nur den Sollzins vergleichen
Auch Laufzeit, Tilgung, Restschuld und Vertragsbedingungen sind wichtig.
Fehler 8: Keine Rücklagen bilden
Unerwartete Reparaturen können schnell teuer werden.
Fehler 9: Bei Kapitalanlagen die Rendite überschätzen
Mieteinnahmen allein sagen wenig über den tatsächlichen Cashflow aus.
Checkliste für die Immobilienfinanzierung
Vor der Finanzierung sollten Sie folgende Punkte prüfen:
Eigenkapital
- verfügbares Eigenkapital ermittelt
- finanzielle Reserve zurückbehalten
- Kaufnebenkosten berücksichtigt
Finanzierung
- Kreditsumme berechnet
- Zinssatz verglichen
- effektiven Jahreszins geprüft
- Tilgung festgelegt
- Zinsbindung geprüft
- monatliche Rate berechnet
- Restschuld betrachtet
- Sondertilgungen geprüft
Immobilie
- Kaufpreis geprüft
- Immobilienwert eingeschätzt
- Zustand geprüft
- Sanierungsbedarf ermittelt
- laufende Kosten berücksichtigt
Persönliche Situation
- Einkommen geprüft
- monatliche Ausgaben berechnet
- finanzielle Reserve eingeplant
- mögliche Einkommensveränderungen berücksichtigt
Fazit: Immobilienfinanzierung richtig planen
Eine Immobilienfinanzierung sollte nicht mit der Frage beginnen:
„Wie viel Kredit bekomme ich von der Bank?“
Besser ist die Frage:
„Welche Finanzierung kann ich langfristig entspannt tragen?“
Entscheidend sind dabei mehrere Faktoren.
Dazu gehören:
- Eigenkapital
- Kaufpreis
- Kaufnebenkosten
- Kreditsumme
- Zinssatz
- Tilgung
- monatliche Rate
- Zinsbindung
- Restschuld
- Rücklagen
Wer eine Immobilie als Kapitalanlage kauft, sollte zusätzlich Mieteinnahmen, Rendite und Cashflow berücksichtigen.
Besonders wichtig ist eine realistische Kalkulation.
Eine Immobilie sollte nicht nur dann funktionieren, wenn alles perfekt läuft.
Es sollte auch ausreichend finanzieller Spielraum für Reparaturen, steigende Kosten oder Veränderungen der persönlichen Situation vorhanden sein.
Die beste Finanzierung ist deshalb nicht unbedingt die mit dem maximal möglichen Kredit.
Es ist die Finanzierung, die zum eigenen Einkommen, Eigenkapital, Risikoprofil und langfristigen Ziel passt.
Wer diese Punkte vor dem Immobilienkauf sorgfältig berechnet, kann viele typische Finanzierungsfehler vermeiden.
Häufige Fragen zur Immobilienfinanzierung
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Immobilie?
Das hängt von der persönlichen Situation, dem Kaufpreis und den Finanzierungskonditionen ab. Mehr Eigenkapital reduziert grundsätzlich den Finanzierungsbedarf.
Wie hoch darf die monatliche Rate sein?
Die Rate sollte zum Einkommen und zu den laufenden Ausgaben passen. Zusätzlich sollten Rücklagen für unerwartete Kosten eingeplant werden.
Was ist besser: hohe oder niedrige Tilgung?
Eine höhere Tilgung reduziert die Restschuld schneller, führt aber zu einer höheren monatlichen Rate. Entscheidend ist, welche Belastung langfristig tragbar ist.
Wie lange sollte die Zinsbindung sein?
Das hängt von der gewünschten Planungssicherheit, der persönlichen finanziellen Situation und den angebotenen Konditionen ab.
Was passiert nach Ablauf der Zinsbindung?
Besteht noch eine Restschuld, muss diese in der Regel weiterfinanziert werden. Dafür kann eine Anschlussfinanzierung erforderlich sein.
Was sind Kaufnebenkosten?
Dazu gehören insbesondere Grunderwerbsteuer, Notarkosten, Grundbuchkosten und gegebenenfalls Maklerkosten.
Kann man eine Immobilie ohne Eigenkapital finanzieren?
Eine Finanzierung mit sehr wenig oder keinem Eigenkapital kann unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. Sie kann jedoch höhere Anforderungen und Risiken mit sich bringen.
Wie berechnet man eine Immobilienfinanzierung?
Dafür werden unter anderem Kaufpreis, Eigenkapital, Kaufnebenkosten, Kreditsumme, Zinssatz und Tilgung benötigt. Daraus lässt sich die voraussichtliche monatliche Rate ableiten.
Wie kann ich berechnen, wie viel Immobilie ich mir leisten kann?
Ausgangspunkt sind Einkommen, Ausgaben, Eigenkapital und eine langfristig tragbare monatliche Rate. Daraus lässt sich eine realistische Kaufpreisspanne ableiten.
Was ist bei einer Immobilienfinanzierung als Kapitalanlage wichtig?
Neben der Finanzierung sollten Mieteinnahmen, laufende Kosten, Kaufnebenkosten, Rendite, Leerstand und Cashflow betrachtet werden.


